Chronik
zum 60-jährigen Bestehen der Niedersächsische Landjugend e.V.

Die Niedersächsische Landjugend hat in den letzten 60 Jahren Geschichte geschrieben. An dieser Stelle werden die letzten 60 Jahre anhand einer Kurzchronik – von der Gründung in einer Kneipe bis in das Jahr 2010 – dargestellt.
„Landjugend ist motiviert, zielstrebig packt an und stellt sich den Herausforderungen der Zeit.“
Welche Motivation hatten junge Menschen im ländlichen Raum, sich in einem Jugendverband wie der Niedersächsischen Landjugend zu organisieren? Wofür stand und steht die Niedersächsische Landjugend und mit welchen Themen und Herausforderungen hat sich der Verband in der Vergangenheit auseinandergesetzt?

1950 - 1959

Als „Niedersächsische Landjugend im Bund der Deutschen Landjugend“ wurde die Landjugend am 4. Juli 1950 ins Leben gerufen.
Schon damals galt sie als Interessenvertretung der Jugend im ländlichen Raum und sollte als Nachwuchsorganisation des Landvolkes verstanden werden.
Die Resonanz einer solchen Gemeinschaft war nicht immer nur gut. Neben Arbeitskreisen, der Bemühung um Zusammenhalt und ehrenamtliche Arbeit zog sich ein negatives Image durch die Anfangsphase. Die Landjugend stellte als „Kampfverband“ Forderungen wie z.B. den Schluss der Entnazifizierung und die Wiedereinführung der deutschen Nationalhymne mit allen drei Strophen, was ein rechtsorientiertes Image zur Folge hatte.
Mit den Jahren verbesserten sich sowohl das Image der Landjugend als auch die allgemeine Wahrnehmung ihrer Zielsetzungen, die zugleich eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber dem Landvolk verdeutlichten. Zeitgleich mit dem Dachverband des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) mit über 1.500 Jugendlichen aus 36 Gruppen, Kreis- und Bezirksgemeinschaften feierte auch die NLJ ihr zehnjähriges Bestehen.

1960 - 1969

Der Verband etabliert sich.
Die Landjugend in den 60er Jahren zeichnete sich durch Konsolidierung und Modernisierung in verschiedenen Bereichen aus. Dazu zählte unter anderem der moderne „Pendler“, der ein sichtbares Pendant zum bodenständigen Bauern darstellte.
Zum anderen nahm der Freizeit- und Bildungsanspruch immer mehr an Bedeutung zu, infolgedessen erfreuten sich Seminare immer größerer Beliebtheit und der Weg für die Einstellung von BildungsreferentInnen wurde auch von offizieller Seite frei.

1970 - 1979

„Bild dir deine Meinung“ – das Motto der 70er Jahre.
In Anlehnung an diverse Bildungsangebote wie z.B. Studienfahrten, eine Gruppenleiterschulung und neuen Arbeitskreisen hielt man an einem Ausbau außerschulischer Bildungsarbeit fest und es wurde versucht, Mitbestimmung, Meinungsäußerung und Demokratie als feste Bestandteile des Verbandsalltages zu verstetigen.
Probleme und Herausforderungen aus der Lebenswelt von Jugendlichen (Schule, Elternhaus, Freizeit und Freundeskreis) sollten genauso wie die Themen des agrarischen Ursprungs auf der Basis der „eigenen Meinung“ diskutiert und gemeinsam bearbeitet werden.
Dem Vorwurf der Jugendlichen, dass der Vorstand die Interessen der Mitglieder nicht kenne und die Bildungsangebote nicht auf die Bedürfnisse zugeschnitten sind, wurde durch die Einbindung der TeilnehmerInnen entgegengewirkt.

1980 - 1989

Den Auftakt der 80er Jahre machte die 30-jährige Jubiläumsfeier am 30. Juni 1980, gefolgt von einer ersten Segelfreizeit der Landesgemeinschaft und dem „Tag der offenen Tür“ mit 31 teilnehmenden Höfen. Auch der Deutsche Landjugendtag und das sogenannte LandesMusische Fest (LaMuFe) fanden immer mehr Begeisterung sowohl bei den Landjugendlichen als auch in der öffentlichen Wahrnehmung (z.B. durch Berichterstattung des NDR).
Als Stützpunkt für die Entwicklungshilfe in Ghana wurde 1986 eine Landjugendgruppe – die „Rural Youth Association Subinso“ – gegründet. Weiterhin spielte die Modernisierung und Mitsprache auch in diesen Jahren eine große Rolle. Angestoßen durch die Atomkatastrophe in Tschernobyl, entstanden Seminare über die friedliche Nutzung der Atomenergie und das verbandseigene Landjugendmagazin (LaMa) erhielt eine ständige Umweltseite.

1990 - 1999

Neue Wege in der Jugendarbeit wurden beschritten.
So waren Teamarbeit und Solidarität im ländlichen Raum die Schlüsselworte dieses Landjugendjahrzehnts. Dies manifestierte sich vor allem in der landesweiten ersten 72-Stunden-Aktion im Juni 1995. Nach Abschluss der Aktion veranschaulichte das Ergebnis, wie wertvoll Jugendverbandsarbeit sein kann.
Am Ende des Jahrzehnts stand ein Wechsel in der Arbeitsweise der Landjugendarbeit an: Weg von der hierarchisch organisierten Gremienarbeit, hin zur Arbeit in Projektteams mit neuen Methoden des Sozialmanagements.

2000 - 2010

Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends wurden Projekte und Ziele aus den 90er Jahren weitergeführt und ausgearbeitet.
Aktionen gegen Fremdenfeindlichkeit sowie Kreativitäts- und Öffentlichkeitswettbewerbe regten die Landjugendgruppen an und verbessern ihr Image in der (über)regionalen Öffentlichkeit. Als Reaktion auf Vorurteile wurden Arbeitskreise gegründet, in denen die Problematik aufgegriffen und das Selbstverständnis des Verbandes sowie die Bildungsangebote diskutiert werden sollten.

Die Landjugend stellt sich auch künftig den gesellschaftlichen Herausforderungen und versteht sich als starker Partner der jungen ländlichen Bevölkerung und ihrer Bedarfe.
– Traditionsbewusst und zukunftsweisend! –